Schriftloesung ist typografische Gestaltung.

Ich gestalte Buch­publikationen und optimiere Prozesse, die diese entstehen lassen. Als Germanist bringe ich philologisches Text­verständnis mit : Mich interessiert nicht nur, wie Texte dargestellt werden, sondern auch, wie sie funktionieren.

Mein Spezialgebiet ist Buch­gestaltung und Satz mit einem besonderen Blick für Detail­typografie und das, was oft übersehen wird: Zeichen­setzung, Abstände, Konsistenz, Lesbarkeit. Typografie ist für mich nicht bloß Form­gebung — sie ist das zentrale Werkzeug von Vermittlung. Sie macht Inhalte lesbar, verständlich und erlebbar.

Schriftloesung ist Buch­gestaltung und Automatisierung. In meiner Arbeit sind das keine Gegen­sätze. Wer präzise setzt, denkt auch darüber nach, wie sich Präzision systematisieren lässt. Dazu gehören ausgeklügelte Workflows, typografische Regel­werke und meine eigene Software namens Grepfruit, die typische Fehler bereits im Vorfeld vermeidet — für Gestaltung, die nicht nur besser aussieht, sondern auch zuverlässiger produziert wird.



Angebot

Buch·Gestaltung

Satz·Systeme



Über mich

Foto :
Elvira M. Gross




Kontakt

Kevin Mitrega, MA

km@schriftloesung.at
+ 43 650 280 3443

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Satz·Systeme #1

Prozessgestaltung, Optimierung, Automatisierung


Österreichischer Verfassungsgerichtshof


Eine detaillierte Fallstudie befindet sich in Arbeit.

Stimmen meiner Auftraggeber:

»Die Zusammenarbeit mit Kevin Mitrega bei der Über­arbeitung der Amtlichen Sammlung des Verfassungs­gerichtshofes (›VfSlg‹) war in jeder Hinsicht bereichernd. Er hat sich in einem ersten Schritt unsere Arbeits­abläufe in Word sowie InDesign genau angesehen und praktikable Verbesserungs­vorschläge unterbreitet. In einem zweiten Schritt hat er das Layout der VfSlg behutsam optimiert und dort, wo es sinn­voll ist, auto­matisierte Routinen implementiert. Dazwischen gab es stets Raum für einen lehr­reichen Austausch. Die Herstellung des Satzes nimmt nun merklich weniger Zeit in Anspruch — und fast noch wichtiger: Wir können uns ganz darauf konzentrieren, die verfassungs­gerichtliche Recht­sprechung in einem ruhigen Schrift­bild zu präsentieren.«

Josef Pauser & Herwig Mitter

Verfassungsgerichtshof, Präsidialabteilung 2: Bibliothek, Information und Innovation


Buch·Gestaltung #1

Typografie, Satz, Einband, Herstellung


Klingenberg Verlag
978–3–903284–61–6


wolken westwärts ist ein Roman, der sich konsequent den typischen literarischen Konventionen entgegen­stellt : durch­gängige Klein­schreibung, eigen­willige Ortho­grafie und eine stark verdichtete Erzähl­weise, die sich bewusst vom klassischen Kriminal­roman abhebt. Daraus ergab sich der Anspruch, diese Eigen­ständig­keit in der Gestaltung unmittelbar sichtbar zu machen.

Am Umschlag ruft weiße Typografie auf Blau unweiger­lich Assoziationen von Himmel und Weite hervor — doch ein gelber Schimmer legt sich wie ein Glitch über das nicht gleich erkenn­bare Foto­motiv, als bräche Licht durch eine Wolken­decke. Diese kräftige Kontrast­farbe wird in der weiteren Aus­stattung auf­gegriffen und schafft eine subtile Spannung zwischen Klar­heit und Irritation.

Im Buchkörper wird die formale Eigenwillig­keit des Textes typografisch fortgesetzt. Die Entscheidung für eine Serifenlose markiert bereits visuell den Bruch mit Erwartungs­haltungen. Mit der Allegra von Jost Hochuli fiel die Wahl auf eine Schrift, deren klare Form­gebung samt leichter Neigung problem­los längere Lektüren trägt — unkonventionell, aber einladend. Der Text greift Raum : ein groß­zügiger Satz­spiegel mit schmalen Rändern, modern im Ausdruck und zugleich kompakt im Umfang. Die Pagina tritt bewusst in den Hinter­grund bzw. in den Bund, um den Lese­fluss nicht zu stören.

Das wohl prägendste Stilmittel betrifft die Absatz­gestaltung. Anstelle klassischer Einzüge strukturieren Weißräume zwischen den Absätzen den Text und erzeugen einen kontinuier­lichen Lesesog — ein dichter Strom, der nur punktuell unterbrochen wird. Dies verweist zugleich auf frühe Schreib­traditionen, in denen Absätze noch nicht durch Umbrüche, sondern durch Zeichen oder Zwischen­räume markiert wurden.


Fotos :
Studio Rathmayer


Buch·Gestaltung #2

Typografie, Satz, Einband, Herstellung


Mandelbaum Verlag
978–3–99136–005–6


Verbrannte Orte entstand in enger Zusammen­arbeit mit dem Foto­grafen Jan Schenck. Es ist kein klassisches Foto­buch, sondern ein künstlerisches Dokumentations­projekt, ergänzt durch kontextualisierende Beiträge aus der Forschung. Im Zentrum stehen zeit­genössische Foto­grafien von Orten, an denen national­sozialistische Bücher­verbrennungen stattfanden — nüchterne Aufnahmen von Plätzen, denen das historische Geschehen in der Regel nicht anzusehen ist. Gerade deswegen braucht es Informa­tionen „von außen“, um sichtbar zu machen, was unerinnert im Verborgenen liegt.

Dieses inhaltliche Anliegen prägt die Gestaltung. Typografie und Layout über­nehmen die Aufgabe der Vermittlung und Verortung. Dabei ist ein Kreuzmotiv zentral, welches in seiner Ambiguität sowohl für Markierung als auch für Aus­löschung steht. Entsprechend bildhaft und expressiv ist der Titel auf dem Umschlag dargestellt — ver-brennen (auslöschen) sowie ver-orten (markieren) sind gleicher­maßen erkennbar. Der angedeutete Perspektiv­wechsel durch die Veränderung des Blicks und der Lese­richtung findet im Buchkörper seine Fortsetzung.

Dort entsteht im Bildteil aus der chronologischen Anordnung der Aufnahmen ein Kalendarium der Bücher­verbrennungen. Die vertikale Ausrichtung erzeugt den Eindruck vom Blättern durch aufeinander­folgende Kalender­geschichten. Während unter­schiedliche Text­umfänge die Lücken unseres Wissens spiegeln, sorgen Miniatur­karten für Orientierung und machen zugleich die landes­weite Dimension der Aktionen deutlich. Der konsequente Flatter­satz verleiht dem Inhalt Lebendig­keit und verweist zugleich auf den fragmentarischen Charakter seiner Über­lieferung. So wird Verbrannte Orte zu einem Buch, das zeigt, wie sich Orte verändern, wenn wir wissen, was dort geschehen ist.


Ausgezeichnet mit der Bronzemedaille beim Deutschen Fotobuchpreis 2023/24
in der Kategorie Dokumentarisch-Journalistisch


Fotos :
Studio Rathmayer


Buch·Gestaltung #3

Typografie, Satz, Umschlag, Herstellung


Residenz Verlag
978–3–7017–3624–9


Die Biografie zu Betty Paoli (1814 – 1894) holt eine der bedeutendsten, heute jedoch weit­gehend vergessenen Schrift­stellerinnen des 19. Jahr­hunderts aus dem Schatten. Von Franz Grillparzer zwar als „bester Lyriker der Zeit“ tituliert, blieb dem Werk der im deutsch­sprachigen Raum hoch angesehenen Dichterin ein nach­haltiges Fort­leben jedoch versagt. Die Literatur­wissenschaftlerin Karin S. Wozonig legt mit ihrer 512 Seiten starken Studie ein ebenso fundiertes wie lesbares Standard­werk vor : klar gegliedert, wissen­schaftlich präzise und reich an Zitaten, Anmerkungen und Abbildungen.

Vor diesem Hintergrund bestand die gestalterische Heraus­forderung darin, die Komplexität und den Umfang in eine Form zu überführen, die leicht und einladend wirkt. Der Umgang mit Fläche stellt einen besonderen Balance­akt dar ; so ist etwa der Satz­spiegel bewusst großzügig gehalten, ohne jedoch die Seiten zu über­frachten. Strukturelle Elemente treten an die Ränder, sodass der Text­fluss ruhig und stabil bleibt. Die chrono­logische Gliederung nach Lebens­abschnitten wird durch eine dezente Marginal­spalte unter­stützt, welche Orientierung bietet, ohne sich in den Vorder­grund zu drängen. Historisierende Porträt­vignetten setzen behut­same visuelle Akzente.

Im Buchkörper ist alles aus verschiedenen Schnitten der Terza Reader von Greg Gazdowicz gesetzt, eine Renaissance-Antiqua, die speziell für ausdauerndes Lesen entwickelt wurde. Ihre weichen Formen, die Anpassung an Wort­bilder und Sakkaden sowie der bewusste Verzicht auf eine kontrastierende Zweit­schrift schaffen optimale Bedingungen für eine lange Lektüre. Damit ist diesem wissen­schaftlichen Werk eine Form gegeben, die dem literarischen Rang seiner Protagonistin entspricht.


Fotos :
Studio Rathmayer


Satz·Systeme #2

Prozessgestaltung, Optimierung, Automatisierung


Grepfruit OG


Eine detaillierte Fallstudie befindet sich in Arbeit.

Grepfruit ist ein Plugin für automatisierte Detailtypografie in Adobe InDesign, entwickelt von Kevin Mitrega und Martin Ortbauer.

Mehr unter grepfruit.app


Buch·Gestaltung #4

Typografie, Satz, Einband, Herstellung


Mandelbaum Verlag
978–3–99136–019–3


Ver/störende Orte ist ein wissen­schaftlicher Sammel­band zum Umgang mit national­sozialistisch belasteter Architektur und den damit verbundenen historischen und gesell­schaftlichen Fragen. Insgesamt 19 Autor·innen nähern sich dem Thema aus unter­schiedlichen Perspektiven ; hinzu kommen zahlreiche Abbildungen, Anmerkungen und stark variierende Text­längen. Eine grund­legende Heraus­forderung bestand darin, diese inhaltliche und formale Hetero­genität in einem Buch zu vereinen, das trotz seiner Komplexität über­schaubar bleibt und als kohärentes Ganzes funktioniert.

Das grafische Konzept verfolgt ein mehr­spaltiges Raster, das flexibel genutzt und stellen­weise gezielt gebrochen wird. Es ist klar in inhaltliche Zonen gegliedert — wie ein Grundriss — , sodass jeder Text­typ seinen festen Platz erhält und sich zugleich harmonisch in die Gesamt­komposition einfügt. Für jede spezifische Heraus­forderung auf einer Doppel­seite lässt sich inner­halb dieses Systems eine passende Lösung finden. So entstehen Seiten, die für sich genommen eigen­ständig wirken, dabei aber stets der gestalte­rischen Logik des Buches folgen.

Der Haupttext erhielt einen bewusst raum­greifenden und block­haften Satz­spiegel, der in seiner Strenge der Architektur, die thematisch verhandelt wird, nicht unähnlich ist. Dieser dominanten Fläche werden Para­texte in mehr­spaltigem Flatter­satz entgegen­gestellt, um Bewegung und Differenz ins Layout zu bringen. In dieser Spannung zwischen Ordnung und Irritation spiegelt sich die inhaltliche Sensibilität des Bandes — sowie der Anspruch, komplexe, belastete Orte nicht nur zu dokumentieren, sondern gestalterisch erfahrbar zu machen.


Fotos :
Studio Rathmayer


Buch·Gestaltung #5

Typografie, Satz, Umschlag


Kremayr & Scheriau Verlag
978–3–218–01305–5


Monsieur Orient-Express erzählt zwei Geschichten : die eines Mannes und die einer Idee, welche das Reisen nach­haltig veränderte. Georges Nagelmackers, Gründer des Orient-Express, steht im Mittel­punkt — sein Leben, sein Ehr­geiz, seine Rück­schläge und sein Triumph. Das Buch bewegt sich dabei bewusst zwischen dokumentarischem und literarischem Anspruch.

Reisen war im 19. Jahrhundert keine Selbst­verständlich­keit, sondern ein exklusives Unter­fangen für jene, die es sich leisten konnten. Diesen Geist trägt das Buch in seiner Aufmachung weiter. Das beginnt im Umgang mit Weiß­raum : Weite Ränder und großzügig bemessene Zeilen­abstände verleihen dem Satz Leichtig­keit und Eleganz. Man gewinnt sofort den Eindruck, dass hier nicht gespart wurde — eine inhaltlich motivierte Entscheidung. Sie übersetzt das Ver­sprechen des Orient-Express unmittelbar in die Typografie.

Behutsam eingesetzte Ornamente verkörpern weniger Nostalgie als eine ästhetische Ver­bunden­heit mit jener Zeit, aus der die Geschichte stammt. Zeit­gemäßes und Historisches halten in der Buchgestaltung die Balance. Die farben­frohen Reise­plakate des 19. Jahrhunderts — in ihrer Epoche meister­hafte Werbe­grafik, heute Doku­mente einer verlorenen Anmut — erhalten den Raum, den sie verdienen. Bild und Text greifen ineinander, ohne dass eines das andere dominiert. Zahlreiche Illustra­tionen setzen Akzente, verleihen dem Erzählten ein visuelles Gedächtnis und erinnern daran, dass der Orient-Express nicht nur ein Zug war, sondern auch eine Verheißung.


Fotos :
Studio Rathmayer


Kevin Mitrega, Schriftloesung.
Selbständig in Wien tätig seit 2021.

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