Buch·Gestaltung #4

Typografie, Satz, Einband, Herstellung


Mandelbaum Verlag
978–3–99136–019–3


Ver/störende Orte ist ein wissen­schaftlicher Sammel­band zum Umgang mit national­sozialistisch belasteter Architektur und den damit verbundenen historischen und gesell­schaftlichen Fragen. Insgesamt 19 Autor·innen nähern sich dem Thema aus unter­schiedlichen Perspektiven ; hinzu kommen zahlreiche Abbildungen, Anmerkungen und stark variierende Text­längen. Eine grund­legende Heraus­forderung bestand darin, diese inhaltliche und formale Hetero­genität in einem Buch zu vereinen, das trotz seiner Komplexität über­schaubar bleibt und als kohärentes Ganzes funktioniert.

Das grafische Konzept verfolgt ein mehr­spaltiges Raster, das flexibel genutzt und stellen­weise gezielt gebrochen wird. Es ist klar in inhaltliche Zonen gegliedert — wie ein Grundriss — , sodass jeder Text­typ seinen festen Platz erhält und sich zugleich harmonisch in die Gesamt­komposition einfügt. Für jede spezifische Heraus­forderung auf einer Doppel­seite lässt sich inner­halb dieses Systems eine passende Lösung finden. So entstehen Seiten, die für sich genommen eigen­ständig wirken, dabei aber stets der gestalte­rischen Logik des Buches folgen.

Der Haupttext erhielt einen bewusst raum­greifenden und block­haften Satz­spiegel, der in seiner Strenge der Architektur, die thematisch verhandelt wird, nicht unähnlich ist. Dieser dominanten Fläche werden Para­texte in mehr­spaltigem Flatter­satz entgegen­gestellt, um Bewegung und Differenz ins Layout zu bringen. In dieser Spannung zwischen Ordnung und Irritation spiegelt sich die inhaltliche Sensibilität des Bandes — sowie der Anspruch, komplexe, belastete Orte nicht nur zu dokumentieren, sondern gestalterisch erfahrbar zu machen.


Fotos :
Studio Rathmayer


Kevin Mitrega, Schriftloesung.
Selbständig in Wien tätig seit 2021.

Impressum