·Gestaltung #1
Typografie, Satz, Einband, Herstellung
Klingenberg Verlag
978–3–903284–61–6
wolken westwärts ist ein Roman, der sich konsequent den typischen literarischen Konventionen entgegenstellt : durchgängige Kleinschreibung, eigenwillige Orthografie und eine stark verdichtete Erzählweise, die sich bewusst vom klassischen Kriminalroman abhebt. Daraus ergab sich der Anspruch, diese Eigenständigkeit in der Gestaltung unmittelbar sichtbar zu machen.
Am Umschlag ruft weiße Typografie auf Blau unweigerlich Assoziationen von Himmel und Weite hervor — doch ein gelber Schimmer legt sich wie ein Glitch über das nicht gleich erkennbare Fotomotiv, als bräche Licht durch eine Wolkendecke. Diese kräftige Kontrastfarbe wird in der weiteren Ausstattung aufgegriffen und schafft eine subtile Spannung zwischen Klarheit und Irritation.
Im Buchkörper wird die formale Eigenwilligkeit des Textes typografisch fortgesetzt. Die Entscheidung für eine Serifenlose markiert bereits visuell den Bruch mit Erwartungshaltungen. Mit der Allegra von Jost Hochuli fiel die Wahl auf eine Schrift, deren klare Formgebung samt leichter Neigung problemlos längere Lektüren trägt — unkonventionell, aber einladend. Der Text greift Raum : ein großzügiger Satzspiegel mit schmalen Rändern, modern im Ausdruck und zugleich kompakt im Umfang. Die Pagina tritt bewusst in den Hintergrund bzw. in den Bund, um den Lesefluss nicht zu stören.
Das wohl prägendste Stilmittel betrifft die Absatzgestaltung. Anstelle klassischer Einzüge strukturieren Weißräume zwischen den Absätzen den Text und erzeugen einen kontinuierlichen Lesesog — ein dichter Strom, der nur punktuell unterbrochen wird. Dies verweist zugleich auf frühe Schreibtraditionen, in denen Absätze noch nicht durch Umbrüche, sondern durch Zeichen oder Zwischenräume markiert wurden.
Fotos :
Studio Rathmayer